Deinen Tod, o Herr, verkünden wir…

… und deine Auferstehung preisen wir

Gründonnerstag - Karfreitag - Ostern Mars-Camulus-Stein, ca. 60 n. Chr. Nachguss des Werdener Stiftskreuzes, um 1065 n. Chr. Chorfenster, ca. 1955 n. Chr.

Gründonnerstag – Karfreitag – Ostern
Mars-Camulus-Stein, ca. 60 n. Chr. Nachguss des Werdener Stiftskreuzes, um 1065 n. Chr. Chorfenster, ca. 1955 n. Chr.

Texte lesen wir – wie auch sonst? – von oben nach unten. Das nebenstehende Bild aber müssen wir von unten nach oben „lesen“. Zu erkennen sind der Altar, das Altarkreuz und das mittlere Chorfenster der Rinderner Kirche. Die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt – Gottes Wirklichkeit sieht eben anders aus: Der Altarraum, auf das Wesentliche reduziert, erzählt so von den „heiligen drei Tagen“, dem „Triduum Sacrum“: Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern.
Der Altar steht für das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern am Gründonnerstag gefeiert hat. Er steht auch für den Auftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Seit diesem ersten Gründonnerstag versammeln sich Christen am Altar, um diesen Auftrag zu erfüllen. Dabei erhält schon das „Abschiedsmahl“ Jesu seine Tiefe durch das Kreuz, das in der Höhe über dem Altar das Geschehen des letzten Abends deutet: Jesus vergießt sein Blut, gibt sein Leben für uns. Dieses Opfer feiern wir bei jeder hl. Messe.
In der Leidensgeschichte heißt es, dass die Soldaten Jesus auszogen und seine Kleider unter sich verteilten. Jesus steht entblößt da. So zeigt er die Wahrheit über den Menschen: “Ecce homo – Seht, da ist der Mensch!” sagt Pilatus über Jesus (Joh 19, 5) So steht Jesus da: ohne Ansehen, ohne Würde. Die Wahrheit über den Menschen: was hat der Mensch schon von sich aus, das ihm Würde geben könnte? Mit allem Möglichen kann der Mensch versuchen, seine Blöße zu bedecken. Doch irgendwann wird es für jeden deutlich: im Leid, im unerwarteten Unglück, in einer schweren Krankheit.
Im Leiden zeigt Jesus die Wahrheit über den Menschen. Aber er zeigt auch die reine Wahrheit über Gott: In Jesus hat sich Gott ganz „entblößt“, all seine Macht, Gewalt und Herrlichkeit hergegeben, um die Wahrheit über sich zu enthüllen: seine Liebe.
Diese Liebe triumphiert an Ostern. Denn diese Liebe Gottes ist stärker als der Tod. Das ganze Geschehen, das Leiden und Sterben Jesu, mündet in einem einzigen Triumph: Jesus lebt! Er ist von den Toten erstanden! Unfassbar, unglaublich. Aber so ist Gott. Seine Wirklichkeit sieht eben anders aus. Die Welt steht Kopf: Ostern, das Leben, die Liebe überstrahlt die ganze Welt, leuchtet selbst in die dunkelsten Ecken der menschlichen Existenz. Die Liebe lebt!
(A.P.)