Weihnachtliches Wort –
für alle Tage des Jahres

Und das Wort ist Fleisch geworden …

… und hat unter uns gewohnt (Joh 1, 14). Der Evangelist Johannes malt die Geburtsgeschichte nicht aus. Alle Begleitumstände, die unser weihnachtliches Brauchtum so phantasievoll angeregt haben, bleiben unerwähnt. Der Evangelist beschreibt nicht, was bei der Geburt Jesu geschehen ist, sondern was sie für uns bedeutet.

Im Zentrum steht das Wort, das von Anfang an bei Gott war, durch das alles geworden ist und in dem das Leben war. Was ist das für ein Wort? Es ist das Wort: „Ich liebe dich!“ Denn: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh. 4,8). Diese Liebeserklärung Gottes an den Menschen klingt in der Menschheitsgeschichte immer wieder an.

Mit der Geburt Jesu ist es dabei nicht geblieben: In Ihm spricht Gott sein Wort der Liebe nicht nur mit einzelnen Worten. Sein Wort wird Fleisch. Er geht in unsere Welt hinein, nimmt Fleisch und Blut an, wohnt leibhaftig bei den Menschen. Weil Gott als Mensch unter Menschen weilte, konnten sie den unfassbaren Gott erfahren, anfassen, Ihm begegnen.

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Evangeliar von St. Willibrord, Rindern – auf dem Mars-Camulus-Stein vor dem Tabernakel

Auf dem Foto ist das Evangeliar auf dem Rinderner Altar zu sehen. Aufgeschlagen ist die Seite mit dem Weihnachtsevangelium, das in der Heiligen Nacht verkündet wird.

“Und das Wort ist Fleisch geworden”. Gott spricht sein Wort der Liebe immer wieder neu aus. Und diese Liebe Gottes ist nicht einfach nur als ein schönes Gefühl erfahrbar. Das Wort Gottes bleibt nicht flüchtig wie so ein guter Weltgeist. Wieder und immer wieder nimmt diese Liebe Gottes ganz konkret Gestalt an – in der Feier der Eucharistie. Wenn die Worte Jesu über Brot und Wein gesprochen werden. Dann tritt Jesus wieder in unsere Mitte – ganz Gott – ganz Mensch – wie damals in Betlehem (was übersetzt heißt: Haus des Brotes, der: Brothausen). Damals fanden die Menschen das Kind in der Krippe: Der Ort der Gottesbegegnung. Heute ist es der Altar. Und es ist wieder und immer wieder diese sich verschenkende Liebe, die wir in den Messfeiern empfangen dürfen.

Im Hintergrund des Fotos ist der Tabernakel mit den Sterndeutern aus dem Morgenland zu sehen. „Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten.“ haben sie vor dem König Herodes bekannt. Wirklich, wer diese Liebe erkannt hat, kann nur noch: staunen – und anbeten!

Zwischen Altar und Tabernakel gibt es zudem eine schöne Verbindung: Als 1968 der Mars-Camulus-Stein wieder in die Rinderner Kirche geholt wurde, weihte ihn der aus Rindern stammende Bischof von Hildesheim, Heinrich Maria Janßen, am Fest der Erscheinung des Herrn (6.1. Dreikönige).
(A.P.)