Nicht weit von Hollands Grenze liegt es, und was sein Name sagt, nicht trügt es.

‘War bey je, Adam’, rief zur Zeit der Herr, so heißt es auch noch heut.“

(Sage über den Ortsnamen Warbeyen)

Kurze Chronik

Warbeyen wird als Gut Werebetty 965 anlässlich einer Schenkung an die Kölner Abtei St. Pantaleon erwähnt. 1290 wurde die Kirche St. Hermes als Kapelle erstmals genannt; sie gehörte ursprünglich zur Pfarre Huisberden und erhielt im Lauf des 14. Jahrhunderts – jedenfalls vor 1368 – Pfarrrechte. Dies ist auf dem Schlussstein des Chorpolygons mit dem Klever Wappen zurückzuführen. Da Warbeyen ursprünglich rechtsrheinisch lag und erst durch eine Verlagerung des Rheins im Spätmittelalter an das linke Ufer fiel, gehörte die Kirche zum Bistum Utrecht. Das einschiffige Langhaus wurde im 15. Jahrhundert erbaut, das Seitenschiff und die Sakristei wurden 1853 von Baumeister Fritzen aus Kleve erbaut. Dem spätgotischen Kirchenschiff wurden 1899 ein neugotischer Turm und eine Taufkapelle angefügt. Die neugotische Innenausstattung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend entfernt.

Rundgang

MariaIm Turmeingang befinden sich zwei Votivtafeln. Die rechte Tafel erinnert an die Pastöre, die von 1593 bis 1752 in Warbeyen tätig waren. Die linke Tafel „Maria, Zuflucht der Sünder“ stellt Maria im Baum dar. Sie erinnert an eine Prozession im Jahr 1711 von Warbeyen nach Marienbaum. 1754 wurde diese Tafel aufgestellt.

Das Kruzifix im Turmeingang stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist ein Typus nachfolgendes barocker Kruzifixe. Im 47m hohen Turm befinden sich zwei Glocken. Die Marienglocke aus dem Jahr 1896 mit dem Ton „E“ und die Marien- und Hermesglocke von 1464 mit dem Ton „G“.

HermesIm Hauptschiff richtet sich unser Blick zunächst nach rechts oben, wo über dem Seiteneingang der heilige Hermes im Glasfenster dargestellt ist. Eine Glasmalerei aus dem Jahr 1903 der Firma Derix aus Kevelaer. Bis 1954 war dieses noch ein Chorfester und wurde im Jahr 2002 restauriert.

In Warbeyen befindet sich die einzige deutsche Kirche, die dem heiligen Hermes geweiht ist, der der Legende nach von 120 bis 130 n. Chr. römischer Gouverneur war und den Märtyrertod erlitten hat.

Die Kirchenbänke im Haupt- und Seitenschiff sind um das Jahr 1853 geschaffen worden.

LeuchterDen Kirchenraum schmückt eine kleine, höchst elegante Leuchterkrone, welche in der 2. Hälfte des 17. Jh. aus Messing gegossen und getrieben ist.

Betrachten wir nun den vor uns stehenden Zelebrationsaltar. Er ist eine anonyme Stiftung zur Amtseinführung von Pastor Bernh. Hagedorn (1982-1992). Auf der Rückseite des im Jahr 1983 aus Baumberger Sandstein hergestellten Altares befindet sich als Relief-Darstellung das „Lamm Gottes“.Lamm_Gottes

AmboRechts vom Altar steht der Ambo, welcher in der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstanden ist. Die Statuen stellen Jesus Christus in der Mitte und die Apostel Petrus und Paulus dar.

Rechts am Chorpfeiler befindet sich auf einem Globus stehend die Mutter Gottes (Mitte des 18. Jh.), welche schon einmal Opfer eines Diebstahls war.Mutter_Gottes

AnnaAus dem Jahr 1530 stammt die eichene Holzplastik der „Anna-Selbdritt“ am linken Chorpfeiler. Ihr werden Parallelen zu dem gleichen Motiv in der Alten Kirche in Kellen unterstellt.

Ein wertvoller Schmuck sind die beiden Leuchterengel, die jeweils links und rechts den Altarraum flankieren. Diese um 1530 entstandenen Engel bestechen durch klassische Ausgewogenheit. Beim Gesichtsschnitt des rechten Engels sehen Experten Parallelen zu der Statue der heiligen Maria Magdalena im Crispinus-Altar von St. Nikolai in Kalkar.Leuchterengel

Stolz ist man auf den Zyklus der Zwölf Apostel, deren Entstehung auf die Zeit um 1480/90 datiert wird. Nach Meinung von Kunstexperten waren diese ca. 46 cm hohen Bildwerke ursprünglich in einem Altarschrein zusammengefasst. Die kunsthistorische Analyse ergab weiterhin, dass verschiedene stilistische Richtungen bei den zwölf Figuren zum Tragen kommen. So wird die Darstellung des Johannes und des Thomas dem Kreis um Meister Arnt zugeordnet. Das 73 cm hohe Kreuz wird ebenfalls dem Kreis des Meister Arnt van Tricht, vermutlich seinem Schüler Meister Loedewig zugeschrieben.

Der neugotische Hochaltar war 1874 ein Geschenk vom Gutsbesitzer Baumann am Oraniendeich.
Hochaltar_1Jeweils von links nach rechts:
Judas Thaddäus

Petrus

Paulus

Johannes (Evangelist)

Philippus

Jakobus der Jüngere

Hochaltar_2

Bartholomäus

Matthias

Simon

Matthäus

Jakobus d. Ältere

Thomas

ReliquieAnlässlich des 1000-jährigen Bestehens der Gemeinde Warbeyen im Jahre 1965 wurde der St. Hermes-Kirche 1968 eine Reliquie aus der flämischen Stadt Ronse (Belgien) übertragen. Diese hat ihren Platz in einer Wandnische rechts im Chorraum gefunden.

Die Chorfenster, welche den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz darstellen, wurden 1954 durch H. Mennekes aus Wissen (Weeze) entworfen. Die Arbeit führte van Gellecom und Peters aus Kevelaer aus.

Chorfenster

Versteckt hinter dem Hochaltar steht der einmalig charakteristische Kunstgegenstand von Warbeyen: Eine Säule mit Löwen und Fabelwesen verziert. Es ist der Fuß eines steinernen Tabernakels aus der Zeit um 1500. Allerdings ist es ein Abguss; das Original befindet sich in Münster.Tabernakel

KreuzigungsgruppeGehen wir hinüber ins linke Seitenschiff, entdeckt man über dem Seitenaltar eine in 2014 restaurierte Kreuzigungsgruppe mit der trauernden Maria und Johannes aus dem 16. Jh.

WandkachelnAm Fuße des Altares steht eine Tafel aus Delfter Kacheln mit den Wundmalen Jesu Christi im Blumenkranz.

TaufbeckenDas achteckige Taufbecken aus Blaustein aus dem 14. Jh. besitzt einen handgefertigten Bergkristallknopf auf dem kupfergetriebenen Deckel. Ch. Schreiner fertigte diesen 1975 anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums von Pastor Mühlhoff.

KatharinaZu den ältesten Schätzen in Warbeyen zählt die aus Eichenholz gefertigte Figur der Hl. Katharina, die vom Ende des 15. Jh. stammt. Sie wird dem sogenannten Meister von Varseveld zugeschrieben.

PietaAm nächsten Pfeiler befindet sich eine „Pieta“, eine Eichendarstellung Maria mit ihrem toten Sohn Jesus Christus aus dem 16. Jh.

Hermes_PfarrpatronKommen wir nun zu einer Darstellung des Pfarrpatrons. Der Heilige Hermes aus dem Jahr 1903 ist eine Stiftung von Hendrina Baumann (Baumannshof).

OrgelDie  Orgel in St. Hermes ist eine Stiftung des Bauern Wilhelm Copray, worauf das Wappen im Orgelprospekt hinweist. Erbaut wurde sie vom Orgelbauer Kersting aus Münster im Jahre 1853, der darin Pfeifenmaterial aus der Vorgängerorgel, die J. Courtain im Jahre 1783 erbaut hatte, übernahm. Eine inzwischen nicht mehr existente Firma aus Dorsten versetzte sie 1969 von der ursprünglich vor dem Turmraum vorhandenen Empore auf den jetzigen Standort in der ehemaligen Taufkapelle, was leider akustisch nicht besonders vorteilhaft ist, da der Klang den Raum nur „um die Ecke herum“ erreicht.

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