Schlüssel zum Verständnis

Altarraumgewölbe der Keekener Kirche
Heiligendarstellungen im Gewölbe
Auf Anregung der hl. Juliana von Lüttich (1192-1258, Gedenktag am 5. April) wurde das Fronleichnamsfest eingeführt, der hl. Thomas von Aquin (1225-1274, Gedenktag am 28. Januar) hat die wunderbaren Fronleichnamsgesänge und –hymnen gedichtet, der hl. Apostel Johannes (+ um 101, Fest am 27. Dezember), dargestellt mit Kelch und einer Schlange, legt mit der großen Brotrede Jesu, von der er in seinem Evangelium berichtet, die Grundlage für die Lehre der Eucharistie. Diese Heiligen halten uns mit Ihrer Eucharistieverehrung den Himmel offen.
Der Hochaltar

Die Altarflügel wurden von Friedrich Stummel gemalt, auf den auch die Ausmalung der Kevelaerer Basilika zurückgeht. Das linke Tafelbild zeigt die Begegnung zwischen Abraham und Melchisedech: Der Priesterkönig Melchisedek von Salem – dem späteren Jerusalem – trat Abraham am Abend nach der Schlacht mit Brot und Wein entgegen und segnete ihn (Gen 14). In der Erzählung können wir einen frühen Hinweis auf die Eucharistie sehen, zumal später im Psalm 110 und dann im Hebräerbrief (7,1-10) von einem „Priester nach der Ordnung Melchisechs“ die Rede ist. Ein Hinweis auf Christus, der sich selbst als Priester für die Menschheit opfert.
Die Wandteppiche
Auch die beiden Wandteppiche im Altarraum rechts und links des Hochaltars sind voller eucharistischer Bezüge: ohne weitere Erläuterung kommt wohl der linke Wandteppich aus: es stellt das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern dar. Da noch alle zwölf Apostel zu sehen sind, kann man sich auf die Suche nach Judas Iskariot machen, der Jesus in der Nacht verraten wird: man erkennt ihn an seinem grünen Gewand – mit einem Geldbeutel in der linken Hand. Unter dem Bild die Worte Jesu, die er über das Brot gesprochen hat: „Nehmet hin und esset. Dies ist mein Leib.“ Links und rechts des Bildes dann noch Ähren und Weintrauben, ebenfalls Hinweise auf die Eucharistie.
Schwieriger wird die Deutung des rechten Wandteppichs. Wenn es dort keine „Bildunterschrift“ gäbe, wäre man auf Vermutungen angewiesen. Aber durch diese Hilfe ist es eindeutig: es handelt sich um die Darstellung der Brotrede (Joh 6, 22-59), die Jesus in der Synagoge von Kafarnaum gehalten hatte und die in der Aussage Jesu gipfelt: “Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin für das Leben der Welt … Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm).“ (Joh 6,51.56)Das Chorgestühl

Abraham
Auf den Wangen des Chorgestühls finden sich vier alttestamentliche Gestalten: auf der südlichen Kniebank Abraham vor einem Feuer, aus dem ein kleiner Widerkopf herausschaut. Damit spielt diese Figur auf das Opfer Isaaks an, das dann doch von Gott verhindert wurde. Die Tradition sieht darin einen Hinweis auf den Opfertod Jesu, nur dass Gott Isaak geschont, seinen eigenen Sohn aber hingegeben hat.

Gideon
Auf der hinteren Kniebankwange erkennt man den atl. Richter Gideon, der ein Lammfell in Händen hält. Die Darstellung geht zurück auf das Buch Richter 6, 36-40: Gideon erbat sich von Gott ein Zeichen, bevor er die Israeliten vom Joch der Midianiter befreien sollte. Er legte frisch geschorene Wolle (Vlies) auf die Tenne und bat darum, dass der Morgentau nur auf die Wolle falle, der Boden aber trocken bleibe. So geschah es: Am Morgen konnte er die Wolle ausdrücken – und das Wasser füllte eine ganze Schale. Für die nächste Nacht erbat er wiederum ein Zeichen; dieses Mal sollte der ganze Boden durch den Tauf nass werden – nur das Vlies nicht. Und genau so geschah es.

Simson
Auf der Wange der Kniebank des nördlichen Chorgestühls sieht man Simson, wie er mit einem Löwen kämpft (Ri 14,6) und ihn mit bloßen Händen zerriss. Später fand er im Körper des getöteten Löwen einen Bienenschwarm und Honig. Auch in diesem Bild sieht die Tradition einen Hinweis auf Jesu Opfertod: Der Löwe ist ein Bild für die Macht des Todes, ihm ist der Herr begegnet. Er ist als Sieger aus dem Kampf mit dem Tod hervorgegangenen und dessen „süße Frucht“ ist nun das, was uns Nahrung und Freude bringt (Honig).

König David
Auf der hinteren Kniebankwange ist König David mit Harfe zu erkennen. Schon diese Darstellung weist auf den Gottesdienst hin, gilt David doch als Dichter vieler Psalmen, die auch in Gottesdiensten Verwendung finden. Ein besonderes Ereignis aus dem Leben Davids stellt wiederum eine Verbindung zu Christus und seinem Erlösertod dar: Gott will König David und das Volk wegen ihrer Sünden bestrafen (vgl. 2 Sam 24, 10-25). David wählt aus drei möglichen Strafen eine dreitägige Pest, da er nicht Menschen, sondern Gott in die Hände fallen wollte. Als David dann aber die vielen Toten sah, bot er sich und sein Haus (dazu gehört – Generationen später – auch Jesus) an, stellvertretend das Leid zu ertragen. Gott weist ihm einen Weg, wie die Strafe abgewendet werden kann: durch ein Brandopfer an dem Ort, wo später Salomo den Tempel errichtete. „Der Herr aber ließ sich … erweichen, und die Plage hörte auf in Israel.“ (2 Sam 24,25)
Konsolen im Altarraum

Hahn und Leiter

Geißel

Dornenkrone, Lanze, Nägel…

Konsole an Nordwand Bundeslade, Aaronstab und Mannagefäß
Der Tabernakel
Der Zelebrationsaltar
Alle erwähnten und beschriebenen Kunstwerke sind etwa einhundert Jahre alt. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erhielt die Kirche einen neuen Zelebrationsaltar. Auch auf diesem sind eucharistische Motive zu finden: ein Weinstock („Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige“ Joh 15,5) und eine Darstellung, die leider fast von der Altarplatte verdeckt ist: Christus als Keltertreter. Ein mittelalterliches Motiv, bei dem Christus bei der Arbeit in einer Weinkelter dargestellt ist. In der Tradition wird in dem ausgepressten Wein das Blut Christi gesehen und in der ausgepressten Traube Christus selbst, der sein Leben hingab.
Christus in der Kelter Darstellung auf der Vorderseite des Zelebrationsaltares




